Weihnachtsgottesdienst im Zirkuszelt - Ein Interview
- 26.12.2025 -
Am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, 11 Uhr, laden die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Offenburg gemeinsam mit der Katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge zum ökumenischen Gottesdienst ein. Zum ersten Mal gestalten Cornelia Dilger, Leitende Referentin der neuen Kirchengemeinde Mittlere Ortenau, und Oliver Wehrstein, evangelischer Dekan im Kirchenbezirk Ortenau, den Gottesdienst mit. Gemeinsam mit Dieter Seeger, Produktionsleiter des Offenburger Weihnachtscircus, sprechen sie über seine Bedeutung.
Das Interview führte Silke Keil, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit von der Kirchengemeinde Mittlere Ortenau.
Welche Symbolik hat für Sie der Weihnachtszirkus?
Cornelia Dilger: Mit dem Weihnachtscircus verbinde ich zuallererst meinen Sohn und meinen Vater. Die beiden sind, seit unser Sohn alt genug war, jahrelang gemeinsam zur ersten Aufführung des jeweiligen Jahres gegangen. Sie sind mit leuchtenden Augen hingefahren und mit leuchtenden Augen wieder zurückgekommen. Weihnachtscircus bedeutet für mich also vor allem gemeinsame Qualitätszeit und viel Freude.
Oliver Wehrstein: Ich verbinde damit leuchtende Kinderaugen, eigenes Staunen und Lachen, viele warme Lichter, meine Kinder, die sich beim Zuschauen anschmiegen, der Geruch von Popcorn und in allem gute Laune.
Was macht das Zirkuszelt für den Gottesdienst besonders?
Dilger: Ich bin schon jetzt freudig gespannt auf diesen Gottesdienst, den ich dieses Jahr zum ersten Mal erleben werde. Der Zirkus ist ein besonderer Ort, der – genauso wie Weihnachten – mit vielen Emotionen verbunden ist. Ich erwarte deshalb eine ganz besondere und einzigartige Atmosphäre.
Wehrstein: Es wird nicht der Gottesdienst in seinem Ablauf sein, der den deutlichen Unterschied macht, sondern die Atmosphäre des Zeltes: dass wir ganz dicht, nahezu rundum umgeben von den Gottesdienstbesuchern, Weihnachten feiern werden.
Menschen im Zirkus sind oft von nomadischem Leben, kultureller Vielfalt und starker Familienbande geprägt. Sehen Sie Parallelen zum Christentum?
Dilger: Selbstverständlich. Das Christentum ist eine weltumspannende Religion. Kulturelle Vielfalt gehört dazu, auch wenn wir diese in unserem Gemeindeleben vor Ort nicht immer wahrnehmen.
Viele Schausteller leben ein Leben auf Reisen, oft ohne feste Gemeinde. Wie kann Kirche für sie da sein?
Dieter Seeger: Mit Pastor Sascha Ellinghaus haben wir einen Seelsorger, der sich speziell um die Schausteller kümmert. Als Leiter der katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge ist er das Jahr über in ganz Deutschland unterwegs, um Reisende zu betreuen, Hochzeiten abzuhalten oder die Kommunion zu spenden. Genauso gibt es auch für Protestanten eine Betreuung. Pfarrer Ellinghaus wird den ökumenischen Gottesdienst am Freitag mitgestalten.
Welche Botschaft möchten Sie mit dieser ökumenischen Zusammenarbeit an die Menschen senden? Wehrstein: Wir glauben zusammen, wir leben zusammen, wir feiern zusammen, wir sind zusammen für andere da. Unsere Mitte ist unser Glaube an Jesus Christus. Wie schön, dass wir dieses Miteinander gerade an Weihnachten feiern können.
Warum öffnet der Zirkus das Zelt für einen Gottesdienst?
Seeger: Als Charles Knie den Offenburger Weihnachtscircus von Anja Oschkinat übernahm, erbte er auch diese schöne alte Tradition. Im vergangenen Jahr kamen über 1000 Besucher. Das zeigt, wie beliebt er ist. Gerade zur Weihnachtszeit ist die Begegnung mit anderen Menschen wertvoll. Beim ökumenischen Gottesdienst wird gemeinsam gefeiert, gebetet und gesungen – und das in der ganz besonderen Atmosphäre des Zirkuszelts.