07.07.2026
Flüchtlingsarbeit im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau

Die Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration unterstützt Haupt- und Ehrenamtliche durch Bildungsangebote, koordiniert die Flüchtlingsarbeit im Kirchenbezirk, fördert den interkulturellen und interreligiösen Dialog und betreibt Netzwerkarbeit. Bei öffentlichen Bildungsveranstaltungen informiert sie über die aktuelle Situation von Geflüchteten.
Zudem organisiert sie in unserem Kirchenbezirk Erstorientierungskurse (EOKs) für Geflüchtete. Diese Kurse vermitteln grundlegende Deutschkenntnisse und praktische Informationen zum Leben in Deutschland.
Ihre Stelle ist bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau angesiedelt.
In der Ortenau übernahm Gabriella Balassa diese Aufgaben im September 2020. Sie arbeitet außerdem in der kirchlich-diakonischen Fachberatung des Diakonischen Werkes Ortenau, wo sie einzelne Geflüchtete und die begleitenden Ehrenamtlichen berät. Der Ausschuss für Flüchtlingsangelegenheiten (AFFA) des Bezirkskirchenrats begleitet die Arbeit der Kirchenbezirksbeauftragten Arbeit beratend.
Die Evangelische Landeskirche in Baden hat 2015 ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung von Asylsuchenden und Flüchtlingen beschlossen, um Schutz, Aufnahme und Integration zu fördern. Im Rahmen dieser Initiative wurden Stellen für Bezirksbeauftragte für Flucht und Migration eingerichtet.
Zur Umsetzung des Maßnahmenpakets wurden Mittel der Landeskirche genutzt, die über einen Ausschuss für Flüchtlingsarbeit vergeben wurden. Seit dem 13.07.2021 sind keine Anträge auf finanzielle Förderung mehr möglich, jedoch besteht der Ausschuss weiterhin als Begleitausschuss für die Flüchtlingsarbeit im Kirchenbezirk.
Antrittsrede von Ursula Blanke-Kießling
Am 03. Juli 2026 wurde Ursula Blanke-Kießling im Rahmen einer Andacht bei der 2. Ortenau-Synode offiziell als neue Beauftragte für Flucht und Migration des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau in ihr Amt eingeführt. Die promovierte Juristin und Pädagogin tritt die Nachfolge von Gabriella Balassa an. Die Teilzeitstelle ist bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau angesiedelt, die von Claudia Roloff geleitet wird.
Dies war ihre bewegende Antrittsrede:
Sehr geehrte Bezirkssynodale, liebe Anwesende!
Migration ist ein Menschheitsthema.
Migration ist ein Menschheitsthema.
Schon in biblischen Zeiten haben Menschen sich auf den Weg gemacht und ihre Heimat verlassen – denken Sie nur an Mose und den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten oder die Flucht des kleinen Jesus vor dem Kindermörder. Schon immer sind Menschen geflohen vor Verfolgung, Hunger und Naturkatastrophen oder sind losgezogen, um ein besseres Leben zu suchen. Auf ihrem Weg haben die Menschen Unglücke erlebt und Wunder, haben Entbehrungen auf sich genommen und immer wieder neuen Mut geschöpft. Sie haben Abschied genommen und auf Neues gehofft.
Und dann sind die Menschen angekommen. In Dörfern und Städten, in fremden Sprachen und Gesellschaften mit unbekannten Bräuchen und Gewohnheiten. Dort trafen sie dann auf andere.
Diese anderen sind wir. Wir sind die Lehrerinnen und Ärzte, die Vermieterinnen und Arbeitgeber. Wir sind die Erzieherinnen, Verwaltungsbeamte und Verkäuferinnen. Wir sind die Nachbarn, Kolleginnen und irgendwann vielleicht auch die Freunde der Menschen, die den Weg zu uns gefunden haben. Wir sind ein Teil der Migrationsgeschichte der Angekommenen – ob wir wollen oder nicht.
Es ist auch an uns, dafür zu sorgen, dass in unserem Land, unseren Städten und Straßen das Wort Migration keine Bedrohung darstellt und migrierte Menschen Teil der Gesellschaft werden können. Das ist nicht einfach und stellt für Zugewanderte wie für Alteingesessene eine große Herausforderung dar.
Mit meiner Arbeit als Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration möchte ich dazu beitragen, dass Migration gelingen kann – für die Angekommenen ebenso wie für jene, die schon immer hier sind.
Dabei ist es mir ein Anliegen, diejenigen zu unterstützen, die ehrenamtlich mit migrierten Menschen arbeiten – eine Perspektive, die ich selbst nach dem Ausbruch des Ukrainekrieges kennenlernen konnte. Damals arbeitete ich ehrenamtlich mit den ersten geflüchteten Kindern in meiner Stadt und möchte jetzt gerne jenen behilflich sein, die diese anspruchsvolle Arbeit immer noch und immer weiter ausüben. Es wird weiterhin regelmäßige Treffen zum Austausch und zur gegenseitigen Stärkung geben und für Fragen oder Anliegen aus den Helferkreisen und ehrenamtlichen Gruppen bin ich jederzeit ansprechbar.
Als Juristin mit dem Schwerpunkt Verfassungsrecht ist mir wichtig, dass geltendes Recht beachtet und die Spielräume des Rechtsstaats erkannt und ausgenutzt werden. Das Grundgesetz und seine Werte gelten für alle. Dafür stehe ich ein. Aus diesem Grund bleibe ich im Austausch mit Politik und Verwaltung, suche den Kontakt mit Behörden und Ämtern und repräsentiere auf dieser Ebene die kirchliche Arbeit und auf die dem christlichen Menschenbild fußende Haltung im Bereich Flucht und Migration.
Am aller Wichtigsten aber ist mir die Arbeit mit jungen Menschen. Als Pädagogin, Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache und vierfache Mutter gehören Kinder und Jugendliche schon lange zu meinem Leben. Es ist ein besonderes Privileg, sie beim Aufwachsen und bei ihrem Übertritt in die Gesellschaft zu begleiten. Die nächsten Generationen wachsen in einem Einwanderungsland heran und es gilt, sie dabei zu unterstützen und ernst zunehmen mit ihren Fragen, Gedanken und Gefühlen. Die Deutungshoheit darf nicht den Angstmachern, Tatsachenverdrehern und Radikalen überlassen werden und darum werde ich mich ganz besonders der Kinder- und Jugendarbeit widmen. Geplant sind Unterrichtsmodule, Workshops und andere Formate zum Thema Flucht und Migration, die in Konfigruppen, Religionsklassen oder offenen Jugendtreffs abgehalten werden können. Dabei arbeite ich zielgruppenspezifisch und freue mich über jede Anfrage aus dem religionspädagogischen Zusammenhang oder auch aus anderen Bildungsbereichen.
Sprechen Sie mich gerne an, ich freue mich darauf an Ihre Schule oder in Ihr Gemeindehaus zu kommen!
Die Stelle der Kirchenbezirksbeauftragten für Flucht und Migration ist ein Teil der Evangelischen Erwachsenenbildung und ich bedanke mich herzlich bei den Verantwortlichen für das Vertrauen und die Möglichkeit, mit meinen Fähigkeiten und Erfahrungen dazu beizutragen, dass wir alle gemeinsam den Herausforderungen des Menschheitsthemas Migration gewachsen bleiben und Migration menschlich wird.
Vielen Dank.
Café International
Das Café International ist gedacht als Treffpunkt für Geflüchtete, Migranten und Einheimische mit unterschiedlichen Muttersprachen zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Gespräch und Üben der deutschen Sprache, zum Feiern und zum Austausch.
Als Rahmenprogramm gibt es Musik, Informationen, Basteln und vieles mehr – bei Kaffee, Tee, Kuchen und Gebäck.
Lahr
Jeden Freitag in der Zeit von 15.30 bis 18 Uhr
Blockhaus des Interkulturellen Gartens in Lahr-Mietersheim, Römerstraße 1 – im Kleingartenpark der Landesgartenschau 2018.
Treffpunkt zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Gespräch, zum Feiern und zum Austausch.
Als Rahmenprogramm gibt es Musik, Informationen, Basteln und vieles mehr – bei Kaffee, Tee, Kuchen und Gebäck.
Betrieben vom Freundeskreis Flüchtlinge Lahr
Kehl
1x im Monat
Diakonisches Werk (Marktstr. 3, 2. Obergeschoss)
Bei einer Tasse fair gehandeltem Kaffee und leckerem Gebäck entstehen neue Kontakte, Freundschaften und ein offener Austausch über Kulturen und Lebensgeschichten. Basteln, Spielen oder entspanntes Zusammensitzen – hier stehen Begegnung, gegenseitiges Verständnis und Spaß im Mittelpunkt.
Betrieben von der Kehler Flüchtlingshilfe
Erstorientierung und Bildungskurse

Wie bediene ich einen Ticketautomaten bei der Bahn?
Wie mache ich einen Termin bei der Ärztin aus oder eröffne ich ein Bankkonto?
Wie mache ich einen Termin bei der Ärztin aus oder eröffne ich ein Bankkonto?
Was muss eine junge Frau aus Afghanistan alles lernen, wenn sie mit ihrer Familie zusammen nach Deutschland kommt?
Sicher, zuerst die Sprache, ohne die geht nichts. Aber auch: die Sitten und Gebräuche, damit das Gruseln über Fastnachtsmasken sich nicht mit früheren Schrecken verbindet.
Solcherlei praktische und grundsätzliche Fragen behandeln wir in den „Erstorientierungskursen“, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert. Hier erlernen Schutzsuchende und Zugewanderte Deutschkenntnisse für den Alltag und erhalten praxisbezogenes Wissen über das (Zusammen-)Leben in Deutschland. Unsere Lehrkräfte haben auch oft Migrationshintergrund oder auch Flucht erlebt. Aus persönlicher Erfahrung können sie Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern die Kompetenzen vermitteln, die sie nach der Ankunft in Deutschland dringend brauchen.
Ein besonderer Fokus dieser Kurse liegt darüber hinaus auf der Auseinandersetzung mit kulturellen Gepflogenheiten und politischen Werten, die für das Zusammenleben in Deutschland eine tragende Rolle spielen. Wir begleiten unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihrem Weg zur Integration und unterstützen sie auch mit weiteren Angeboten.
Was die berufliche Integration betrifft, beraten wir in der Evangelischen Erwachsenenbildung im Rahmen der Weiterbildungsberatung des Landes Baden-Württemberg in allerlei Fragestellungen zum Thema Bildung. Vom Übersetzen und Anerkennen-Lassen der mitgebrachten Zeugnisse über das Nachholen eines Schulabschlusses und die Entscheidung für eine Ausbildung oder gar ein Studium – wir erklären, ermutigen, begleiten und freuen uns gemeinsam, wenn eine der vielen Hürden genommen ist.
Mit unseren Bildungsangeboten fördern wir eine Sichtweise, die nicht das Trennende in den Blick nimmt, sondern das, was uns verbindet. Wir hoffen, wir können in diesem Geist des gegenseitigen Respekts auch weiterhin voneinander lernen und gemeinsam Probleme überwinden – und einen Beitrag dazu leisten, dass alle Menschen, die hier leben, sich gewürdigt wissen und sich entfalten können.
Ein Beitrag von Gabriella Balassa









