Dies war ihre bewegende Antrittsrede:
Sehr geehrte Bezirkssynodale, liebe Anwesende!
Migration ist ein Menschheitsthema.
Schon in biblischen Zeiten haben Menschen sich auf den Weg gemacht und ihre Heimat verlassen – denken Sie nur an Mose und den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten oder die Flucht des kleinen Jesus vor dem Kindermörder. Schon immer sind Menschen geflohen vor Verfolgung, Hunger und Naturkatastrophen oder sind losgezogen, um ein besseres Leben zu suchen. Auf ihrem Weg haben die Menschen Unglücke erlebt und Wunder, haben Entbehrungen auf sich genommen und immer wieder neuen Mut geschöpft. Sie haben Abschied genommen und auf Neues gehofft.
Und dann sind die Menschen angekommen. In Dörfern und Städten, in fremden Sprachen und Gesellschaften mit unbekannten Bräuchen und Gewohnheiten. Dort trafen sie dann auf andere.
Diese anderen sind wir. Wir sind die Lehrerinnen und Ärzte, die Vermieterinnen und Arbeitgeber. Wir sind die Erzieherinnen, Verwaltungsbeamte und Verkäuferinnen. Wir sind die Nachbarn, Kolleginnen und irgendwann vielleicht auch die Freunde der Menschen, die den Weg zu uns gefunden haben. Wir sind ein Teil der Migrationsgeschichte der Angekommenen – ob wir wollen oder nicht.
Es ist auch an uns, dafür zu sorgen, dass in unserem Land, unseren Städten und Straßen das Wort Migration keine Bedrohung darstellt und migrierte Menschen Teil der Gesellschaft werden können. Das ist nicht einfach und stellt für Zugewanderte wie für Alteingesessene eine große Herausforderung dar.
Mit meiner Arbeit als Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration möchte ich dazu beitragen, dass Migration gelingen kann – für die Angekommenen ebenso wie für jene, die schon immer hier sind.
Dabei ist es mir ein Anliegen, diejenigen zu unterstützen, die ehrenamtlich mit migrierten Menschen arbeiten – eine Perspektive, die ich selbst nach dem Ausbruch des Ukrainekrieges kennenlernen konnte. Damals arbeitete ich ehrenamtlich mit den ersten geflüchteten Kindern in meiner Stadt und möchte jetzt gerne jenen behilflich sein, die diese anspruchsvolle Arbeit immer noch und immer weiter ausüben. Es wird weiterhin regelmäßige Treffen zum Austausch und zur gegenseitigen Stärkung geben und für Fragen oder Anliegen aus den Helferkreisen und ehrenamtlichen Gruppen bin ich jederzeit ansprechbar.
Als Juristin mit dem Schwerpunkt Verfassungsrecht ist mir wichtig, dass geltendes Recht beachtet und die Spielräume des Rechtsstaats erkannt und ausgenutzt werden. Das Grundgesetz und seine Werte gelten für alle. Dafür stehe ich ein. Aus diesem Grund bleibe ich im Austausch mit Politik und Verwaltung, suche den Kontakt mit Behörden und Ämtern und repräsentiere auf dieser Ebene die kirchliche Arbeit und auf die dem christlichen Menschenbild fußende Haltung im Bereich Flucht und Migration.
Am aller Wichtigsten aber ist mir die Arbeit mit jungen Menschen. Als Pädagogin, Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache und vierfache Mutter gehören Kinder und Jugendliche schon lange zu meinem Leben. Es ist ein besonderes Privileg, sie beim Aufwachsen und bei ihrem Übertritt in die Gesellschaft zu begleiten. Die nächsten Generationen wachsen in einem Einwanderungsland heran und es gilt, sie dabei zu unterstützen und ernst zunehmen mit ihren Fragen, Gedanken und Gefühlen. Die Deutungshoheit darf nicht den Angstmachern, Tatsachenverdrehern und Radikalen überlassen werden und darum werde ich mich ganz besonders der Kinder- und Jugendarbeit widmen. Geplant sind Unterrichtsmodule, Workshops und andere Formate zum Thema Flucht und Migration, die in Konfigruppen, Religionsklassen oder offenen Jugendtreffs abgehalten werden können. Dabei arbeite ich zielgruppenspezifisch und freue mich über jede Anfrage aus dem religionspädagogischen Zusammenhang oder auch aus anderen Bildungsbereichen.
Sprechen Sie mich gerne an, ich freue mich darauf an Ihre Schule oder in Ihr Gemeindehaus zu kommen!
Die Stelle der Kirchenbezirksbeauftragten für Flucht und Migration ist ein Teil der Evangelischen Erwachsenenbildung und ich bedanke mich herzlich bei den Verantwortlichen für das Vertrauen und die Möglichkeit, mit meinen Fähigkeiten und Erfahrungen dazu beizutragen, dass wir alle gemeinsam den Herausforderungen des Menschheitsthemas Migration gewachsen bleiben und Migration menschlich wird.
Vielen Dank.