Am Weltflüchtlingstag mahnten etliche Organisationen gemeinsam mehr Menschlichkeit in der Migrationsdebatte an und gaben Betroffenen die Gelegenheit, öffentlich ihre Geschichten zu erzählen und ihre Lieder zu singen. Die Evangelische Kirchengemeinde Kehl, die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau, das Diakonische Werk, die Katholische Kirchengemeinde Kehl und die Kehler Flüchtlingshilfe gestalteten gemeinsam ein buntes Programm auf dem Marktplatz vor der Friedenskirche. Auch die Omas gegen Rechts beteiligten sich dabei.
Geflüchtete erzählen
Geflüchtete aus Afghanistan, der Ukraine, Syrien und afrikanischen Ländern berichteten eindrucksvoll über ihre persönlichen Wege nach Deutschland, die Hoffnungen, die sie mit dem Leben in Deutschland verbinden und auch die Anstrengung, die es bedeutet, sich mit rassistischen Vorurteilen bei auseinandersetzen zu müssen. Der Sankt-Maria-Chor, der vor allem aus Menschen mit afrikanischer Herkunft besteht, und ein ukrainischer Frauenchor sangen Lieder der Hoffnung in ihren Sprachen und traditionellen Rhythmen und zogen am Vormittag die Aufmerksamkeit der Marktbesucher auf sich.
Am Abend kamen Vertreter*innen der evangelischen, katholischen, DITIB- und arabischen Gemeinde zu einer interreligiösen Andacht in der Friedenskirche zusammen. Gemeinsam wurde der Menschen gedacht, die auf der Flucht ihr Leben verloren haben.
Gabriella Balassa, Beauftragte des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau für die Themen Flucht und Migration, berichtete von einer schwangeren jungen Syrerin, die 2015 in Seenot geriet und gerettet wurde. Damals gab es noch eine staatliche Seenotrettung, ein Zeichen internationaler Solidarität.
Balassa betonte: „Das Sterben im Mittelmeer und an den Grenzen Europas geht weiter – Tag für Tag, oft im Verborgenen. Es fordert täglich neue Opfer. Stand 12. Juni 2025 sind 66.519 Menschen auf der Flucht an Europas Außengrenzen gestorben. Das sind 5.899 Tote seit letztem Jahr – im Schnitt 16 Menschen jeden einzelnen Tag. Was für ein Elend. Und was für ein Versagen – politisch, menschlich, moralisch.“
Balassa betonte: „Das Sterben im Mittelmeer und an den Grenzen Europas geht weiter – Tag für Tag, oft im Verborgenen. Es fordert täglich neue Opfer. Stand 12. Juni 2025 sind 66.519 Menschen auf der Flucht an Europas Außengrenzen gestorben. Das sind 5.899 Tote seit letztem Jahr – im Schnitt 16 Menschen jeden einzelnen Tag. Was für ein Elend. Und was für ein Versagen – politisch, menschlich, moralisch.“
Salah Alghabbach aus Syrien ist inzwischen Sozialarbeiter und unterstützt selbst geflüchtete Menschen. Er berichtete über den stundenlangen Kampf gegen das Meer, als er mit seiner Frau schwimmend von der Türkei nach Griechenland flüchtete: „Wir haben uns für diesen gefährlichen Weg über das Meer entschieden, weil es für Menschen wie uns keine legalen Möglichkeiten gibt, nach Europa zu kommen und Schutz zu finden. In unserer Heimat war ein Leben nicht mehr möglich. Jeden Tag waren wir von Krieg, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit umgeben.“
Kirche bezieht Stellung
Anlässlich des Weltflüchtlingstages veröffentlichte der Evangelische Kirchenbezirk Ortenau eine Erklärung:
„Am 20. Juni 2025, dem Weltflüchtlingstag, erinnern wir uns daran, dass hinter jedem Fluchtschicksal ein Mensch steht: ein Gesicht, eine Geschichte, eine Hoffnung. Als Evangelischer Kirchenbezirk Ortenau bekennen wir: Flüchtlinge sind keine Zahlen – sie sind unsere Nächsten.“ Die gesamte Erklärung kann online gelesen werden: Weltflüchtlingstag 2025 | Erklärung des Evangelischen Dekanats in der Ortenau

Nach den Zeugnissen von Menschen, die auf der Flucht um ihr Leben gekämpft haben, klang der Tag mit einem Konzert der Band The Worlderers aus Lahr aus. Die Bandmitglieder haben selbst Fluchterfahrungen gemacht und brachten mit verschiedenen Instrumenten und bekannten Songs zum Ausdruck: Hinter jedem Flüchtlingsschicksal steht ein Mensch mit Würde und Stimme.
An der Außenwand der Friedenskirche wird in den kommenden 2 Wochen ein Mahnmal zur Erinnerung an verstorbene Geflüchtete installiert sein. An diesem Mahnmal haben sich etliche Schulklassen, Gruppen und Einzelne schon in den letzten Jahren beteiligt, indem sie Namen von Verstorbenen auf schmale Zettel geschrieben und an der Kirchenwand befestigt haben. Auch in anderen Städten im deutschsprachigen Raum entstehen alljährlich solche Mahnmale und fordern zum Nachdenken über eine menschengerechte Migrationspolitik auf.














































