Am Weltflüchtlingstag mahnten etliche Organisationen gemeinsam mehr Menschlichkeit in der Migrationsdebatte an und gaben Betroffenen die Gelegenheit, öffentlich ihre Geschichten zu erzählen und ihre Lieder zu singen. Die Evangelische Kirchengemeinde Kehl, die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau, das Diakonische Werk, die Katholische Kirchengemeinde Kehl und die Kehler Flüchtlingshilfe gestalteten gemeinsam ein buntes Programm auf dem Marktplatz vor der Friedenskirche. Auch die Omas gegen Rechts beteiligten sich dabei.
 
Geflüchtete erzählen  
Geflüchtete aus Afghanistan, der Ukraine, Syrien und afrikanischen Ländern berichteten eindrucksvoll über ihre persönlichen Wege nach Deutschland, die Hoffnungen, die sie mit dem Leben in Deutschland verbinden und auch die Anstrengung, die es bedeutet, sich mit rassistischen Vorurteilen bei auseinandersetzen zu müssen. Der Sankt-Maria-Chor, der vor allem aus Menschen mit afrikanischer Herkunft besteht, und ein ukrainischer Frauenchor sangen Lieder der Hoffnung in ihren Sprachen und traditionellen Rhythmen und zogen am Vormittag die Aufmerksamkeit der Marktbesucher auf sich.
Am Abend kamen Vertreter*innen der evangelischen, katholischen, DITIB- und arabischen Gemeinde zu einer interreligiösen Andacht in der Friedenskirche zusammen. Gemeinsam wurde der Menschen gedacht, die auf der Flucht ihr Leben verloren haben.
 
Gabriella Balassa, Beauftragte des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau für die Themen Flucht und Migration, berichtete von einer schwangeren jungen Syrerin, die 2015 in Seenot geriet und gerettet wurde. Damals gab es noch eine staatliche Seenotrettung, ein Zeichen internationaler Solidarität.
Balassa betonte: „Das Sterben im Mittelmeer und an den Grenzen Europas geht weiter – Tag für Tag, oft im Verborgenen. Es fordert täglich neue Opfer. Stand 12. Juni 2025 sind 66.519 Menschen auf der Flucht an Europas Außengrenzen gestorben. Das sind 5.899 Tote seit letztem Jahr – im Schnitt 16 Menschen jeden einzelnen Tag. Was für ein Elend. Und was für ein Versagen – politisch, menschlich, moralisch.“
Salah Alghabbach aus Syrien ist inzwischen Sozialarbeiter und unterstützt selbst geflüchtete Menschen. Er berichtete über den stundenlangen Kampf gegen das Meer, als er mit seiner Frau schwimmend von der Türkei nach Griechenland flüchtete: „Wir haben uns für diesen gefährlichen Weg über das Meer entschieden, weil es für Menschen wie uns keine legalen Möglichkeiten gibt, nach Europa zu kommen und Schutz zu finden. In unserer Heimat war ein Leben nicht mehr möglich. Jeden Tag waren wir von Krieg, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit umgeben.“
 
Kirche bezieht Stellung
Anlässlich des Weltflüchtlingstages veröffentlichte der Evangelische Kirchenbezirk Ortenau eine Erklärung:
„Am 20. Juni 2025, dem Weltflüchtlingstag, erinnern wir uns daran, dass hinter jedem Fluchtschicksal ein Mensch steht: ein Gesicht, eine Geschichte, eine Hoffnung. Als Evangelischer Kirchenbezirk Ortenau bekennen wir: Flüchtlinge sind keine Zahlen – sie sind unsere Nächsten.“ Die gesamte Erklärung kann online gelesen werden: Weltflüchtlingstag 2025 | Erklärung des Evangelischen Dekanats in der Ortenau
 
Abschluss mit Musik und Hoffnung
Nach den Zeugnissen von Menschen, die auf der Flucht um ihr Leben gekämpft haben, klang der Tag mit einem Konzert der Band The Worlderers aus Lahr aus. Die Bandmitglieder haben selbst Fluchterfahrungen gemacht und brachten mit verschiedenen Instrumenten und bekannten Songs zum Ausdruck: Hinter jedem Flüchtlingsschicksal steht ein Mensch mit Würde und Stimme.
An der Außenwand der Friedenskirche wird in den kommenden 2 Wochen ein Mahnmal zur Erinnerung an verstorbene Geflüchtete installiert sein. An diesem Mahnmal haben sich etliche Schulklassen, Gruppen und Einzelne schon in den letzten Jahren beteiligt, indem sie Namen von Verstorbenen auf schmale Zettel geschrieben und an der Kirchenwand befestigt haben. Auch in anderen Städten im deutschsprachigen Raum entstehen alljährlich solche Mahnmale und fordern zum Nachdenken über eine menschengerechte Migrationspolitik auf.
 
 

Die Ausstellung „Unissued Diplomas“ („nicht ausgestellte Diplome“) präsentiert die Geschichten von ukrainischen Studierenden, die im Krieg ums Leben gekommen sind.
Die Ausstellung wird am 23. Oktober in der Hochschule Kehl eröffnet und ist dort bis zum 13. November zu sehen.
 
Mittels Fototafeln und Abbildungen von nicht ausgestellten Diplomen können die Besucherinnen und Besucher in das teilweise nur kurze Leben der jungen Menschen eintauchen und ihnen ehrend gedenken.
 
Es handelt sich dabei um eine Wanderausstellung, welche von Studierenden konzipiert wurde und seit dem Jahr 2023 besteht. Sie wurde über mehr als 250-mal an über 100 Universitäten in 30 Ländern gezeigt.
 
Dank der Initiative der Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau und Kehler Studierenden fungiert die Hochschule Kehl nun ebenfalls als Ausstellungs- und Begegnungsort.
 
 
Offizielle Eröffnung der Ausstellung
 
Die Ausstellung wird am Mittwoch, 23. Oktober 2024, um 18 Uhr, in Raum 008 der Hochschule Kehl, offiziell eröffnet, und mit einem Austausch zwischen ukrainischen und deutschen Studierenden thematisch eingeleitet.
 
Es geht um das Studieren in der Ukraine, dessen plötzliches Ende, die Flucht aus dem Heimatland, das An- und Zurechtkommen in Deutschland und um aktuelle Zukunftspläne der jungen Menschen.
Auch werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ukrainischen und deutschen Kultur aus Studierendensicht aufgezeigt.
 
Im Anschluss bleibt für die Besucherinnen und Besucher Zeit, bei einem Umtrunk mit ukrainischen Gästen ins Gespräch zu kommen und die Ausstellung auf sich wirken zu lassen. 
 
Mehr Informationen zu der Wanderausstellung „Unissued Diplomas“ finden Sie unter www.unissueddiplomas.org/de
 
 
Hinweis zur Ausstellung:
Die Ausstellung „Unissued diplomas“ an der Hochschule Kehl ist in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau entstanden und wird vom 23. Oktober bis zum 13.11.2024 in den Fluren des Obergeschosses des Gebäudes 2 der Hochschule Kehl zu sehen sein.
Die Ausstellung kann zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden.
 
 
Weitere Informationen:
Gabriella Balassa
Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration
(+49) 0177 – 4697247
 

Die Zahl der Menschen, die auf dem Weg nach Europa sterben, steigt stetig. Im Jahr 2023 waren es nach UN-Angaben mindestens 8565 Personen. Mit einem Mahnmal aus ihren Namen wurde ihrer in Kehl gedacht.
Freiwillige haben die Namen der Verstorbenen vorgelesen und auf Stoffstreifen festgehalten
 
Dekan Oliver Wehrstein begrüßte die Anwesenden vor der Kehler Friedenskirche:
 
„Herzlichen Dank, dass Sie heute hierhergekommen sind. Einige von Ihnen sind vielleicht schon zum wiederholten Mal hier – zum Weltflüchtlingstag und zu dieser Gedenkveranstaltung für diejenigen, die auf der Flucht nach Europa und in Europa verstorben sind.
Danke, dass Sie da sind und sich das anhören und es an sich heranlassen.
Das Vorlesen von Namen der Verstorbenen, von denen wir oft nichts wissen – weder von ihrem Leben noch von ihrem Namen – ist eine schwere Aufgabe.
All diese Flüchtlinge haben jedoch einen Namen, eine Geschichte, eine Familie und Träume. Sie sind Mütter, Väter, Kinder, Ärzte, Lehrer und Handwerker.
Ihre Leben wurden durch Umstände, die außerhalb ihrer Kontrolle lagen, auf tragische Weise unterbrochen.
Mahnmal an der Friedenskirche Kehl
Sie kamen aufgrund von Krieg, Verfolgung, Hunger oder anderen lebensbedrohlichen Umständen.
Es ist leicht, Zahlen und Statistiken zu lesen und dabei die menschlichen Schicksale dahinter zu übersehen.
Umso schwerer ist es jedoch, zuzuhören, wenn es um konkrete Menschen und Schicksale geht. Zudem haben wir oft nicht die Angehörigen im Blick, die in den Heimatländern geblieben sind und nichts mehr von ihren Familienangehörigen hören. Sie wissen nicht, ob sie noch leben, und irgendwann wird ihnen klar, dass sie wohl verstorben sind, ohne zu wissen, wo oder wie.
Oberbürgermeister Wolfram Britz (links) und Dekan Oliver Wehrstein eröffneten die Veranstaltung mit ihren Ansprachen.
 
Es macht mich sprachlos, wenn ich höre, dass Europa noch besser zur Festung ausgebaut werden soll oder dass bezahlte Lager außerhalb Europas die Lösung des Problems wären.
Abgesehen davon, dass diese Drittstaatenlösungen für Asylverfahren rechtlich schwierig sind und finanziell mit hohen Kosten verbunden wären, geraten wieder nicht die Menschen in den Blick, die in Not sind.
 
Wer glaubt, dass Flüchtlinge in diesen Ländern alle menschenwürdige Bedingungen vorfinden, täuscht sich. Sie sind dort ebenso schutzlos wie viele andere in weiteren Lagern dieser Welt.
Es werden weiterhin Flüchtlinge über gefährliche Wege zu uns kommen.
 
Das Ganze macht mich auch in anderer Weise sprachlos.
Die Botschaft lautet aktuell: Deutschland schafft es nicht. Wir als reiches Land schaffen es nicht.
Anders war die Botschaft noch vor neun Jahren, als Angela Merkel sagte: "Wir schaffen das."
In neun Jahren ist es nicht gelungen, Strukturen, Orte, Rechtsabläufe und Integrationsmöglichkeiten so aufzubauen, dass wir heute sagen könnten: Es ist schwer, aber wir können es weiterhin schaffen.
 
Mir ist klar, dass die Kindergärten, Schulen und Kommunen an ihre Grenzen gekommen sind.
Teilnehmende der Gedenkfeier vor der Friedenskirche Kehl
Ich glaube jedoch, dass wir heute weit besser aufgestellt wären, wenn wir alle uns hinter diesen Satz gestellt hätten: "Wir schaffen das."
Und so erleben wir, dass in Deutschland Stadtteile und Dorfränder entstehen, die wir mit Flüchtlingen füllen.
Wir grenzen uns gleichzeitig ab und wundern uns, dass es unter solchen Bedingungen schwer ist, sich zu integrieren.
Wir erleben weiterhin zahllose Flüchtlinge, die auf ihrem Weg sterben.
 
Und wir hören immer wieder Stimmen, die sagen: "Das ist das Problem des Krisenlandes, nicht unseres." So als ob die Flüchtlinge Täter der Landeskrise wären, als ob sie mit großer Freude gen Europa gereist wären.
Künstler und Chöre aus dem Ortenaukreis unterstützen die Aktion.
 
Dann kommt die versteckte oder offen ausgetragene Fremdenfeindlichkeit in unserem eigenen Land hinzu. Für mich verdeckt das die eigene Unfähigkeit, sich um bedürftige Menschen zu kümmern, Empathie zu zeigen und zu verzichten, um eines Menschen in Not willen.
Wenn ich höre, dass wir doch erst an die Deutschen denken müssen und so deutsche interne Sozialpolitik gegen Außenpolitik ausgespielt wird, ist klar, was herauskommt: Die Ärmsten gehen unter – in den Fluten, in Lagern, in Anonymität, im Fremdenhass.
 
Wir schaffen das. Unser Land schafft das. 
Es schafft im Moment, Fremdenhass groß werden zu lassen.
Viele wollen nicht mit Fremden zusammenleben. Wir schaffen keine schnelleren Verfahren.
Die anderen sollen es schaffen – in Ruanda, jedenfalls nicht bei uns in Europa.
 
Ich bin mir sicher, dass Sie, die Sie hier sind, genau das nicht wollen. Und ich möchte Sie in dieser Haltung stärken.
Ich möchte das auch dadurch tun, dass ich an ein Wort Jesu erinnere.
Jesus sagt uns in Matthäus 25,35-40: „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“
Diese Worte erinnern uns daran, dass unser Handeln gegenüber den Bedürftigsten unter uns ein direktes Spiegelbild unserer Beziehung zu Gott ist.
 
Wer einem Fremden geholfen und ihm Heimat geschenkt hat, der darf wissen, dass ihm nicht nur das Herz eines Menschen zufliegt, sondern auch das Herz Gottes höherschlagen lässt.
Künstler und Chöre aus dem Ortenaukreis unterstützen die Aktion.
Erlauben Sie mir jetzt, nicht noch mehr über die politischen Entwicklungen in unserem Land zu reden, sondern darüber, dass Sie und viele andere helfen, dass es weniger namenlose Flüchtlingsopfer gibt und mehr Flüchtlinge hier wirklich Heimat finden können – für ihre Körper und Seelen.
 
Besonders stehen heute diejenigen im Mittelpunkt, die keiner kennt und deren Namen oder Sterbegeschichten kurz erklingen werden. So können wir ihnen zumindest ein Stück Ehre und Menschenwürde zurückgeben, indem wir erinnern und aushalten. Und dann nach Hause gehen und täglich neu versuchen, eine Welt zu schaffen, in der jeder Mensch das Recht hat, in Frieden und Würde zu leben.
 
Danke, dass Sie die Türen Ihres Herzens, die Türen zu Ihren Häusern, die Türen zu Möglichkeiten, Heimat in Deutschland zu finden, öffnen. Und dass Sie Ihre Stimme erheben, damit die Bedingungen der Flucht nicht mehr tödlich sein müssen.
Die Gedenkveranstaltung wurde mit einer interreligiösen Andacht beendet.
 
Ich bin dankbar, hier unter Ihnen sein zu dürfen und dass Sie nicht nur mir zugehört haben, sondern noch all denen zuhören werden, die gleich sprechen.
 
Und dass Sie zuhören und aushalten wollen, wenn die Schicksale der verstorbenen Flüchtlinge und ihrer Familien benannt werden. Ihrer gedenken wir und bringen sie vor Gott. Amen.“
Dekan Oliver Wehrstein
 

Gedenkveranstaltung am 20. Juni von 16 bis 19 Uhr auf dem Kehler Marktplatz
 
Die Zahl der Menschen, die auf dem Weg nach Europa sterben, steigt stetig. Im Jahr 2023 sind nach UN-Angaben weltweit so viele Menschen auf der Flucht gestorben wie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2014 nicht. Es sind mindestens 8565 Personen. 
Stoffstreifen mit den Namen verstorbener Flüchtlinge an der Kehler Friedenskirche
 
 
Menschen mussten ihre Heimat verlassen, weil sie vor Kriegen, Konflikten, Verfolgung oder anderen lebensbedrohenden Umständen flüchten. Zum Beispiel aus Syrien, Iran, Afghanistan, Tunesien, Eritrea, Kurdistan.
 
Sie verloren ihr Leben im Meer, an den europäischen Außengrenzen, in Lastwagen, in Wäldern auf der Suche nach einem sicheren Ort.
Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Babys.
Wir gedenken ihrer mit einem Mahnmal und einer Gedenkaktion.
 
Gleichzeitig verschärft Europa das Asylwesen weiter. Geflüchtete Menschen, darunter auch Familien mit Kindern, sollen an den EU-Außengrenzen in riesigen Lagern unter haftähnlichen Bedingungen untergebracht werden, um sie möglichst rasch abzuschieben.
Elementare Grundrechte, die jeder Person zustehen, werden verletzt.
Dazu sagen wir: nicht in unserem Namen. Menschen schützen - auch an den Grenzen.
 
So könnt ihr mitwirken:
 
Namen schreiben: Wir schreiben die tödlichen Ereignisse und Namen auf Stoffstreifen. Gemeinden, Gruppen, Schulen, Einzelpersonen sind eingeladen, Stoffstreifen zu beschriften. Das kann auch schon vor dem 20. Juni geschehen.
 
Namen lesen:
Wir bringen die tödlichen Vorfälle zu Gehör.
Am 20. Juni ab 16 Uhr lesen wir die Namen der Verstorbenen vor und nennen die Umstände ihres Todes.
Die Lesung unterbrechen wir mit Performances, Wortbeiträgen und Musik.
Lasst eure Musik & Künste in Kurzauftritten für sich sprechen oder lest Namen von auf der Flucht Verstorbenen vor.
 
Mitmachen: 
Vor Ort oder in Gemeinden/Gruppen/Schulen oder von zu Hause aus.
 
Organisieren: 
Helft mit beim reibungslosen Ablauf, beim Aufbau und beim Abbau.
 
Bei Interesse und Fragen schickt eine E-Mail an: 
 
Verantwortlich: Evangelische Kirchengemeinde Kehl, Caritasverband Offenburg-Kehl e.V., Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau, Diakonisches Werk im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau, Katholische Kirchengemeinde Kehl, Stadt Kehl
 
 
Beim Namen nennen - Weltflüchtlingstag am 20. Juni - YouTube
 

 

Aktion vor der Kehler Friedenskirche
 
Am Weltflüchtlingstag, am 20. Juni, haben wir gemeinsam ein Zeichen gesetzt und an die Menschen gedacht, die auf der Flucht gestorben sind.
 
Stoffstreifen mit den Namen verstorbener Flüchtlinge an der Kehler Friedenskirche
 
Seit 1993 sind mehr als 51.000 Menschen beim Versuch nach Europa zu flüchten gestorben. Die meisten sind im Mittelmeer ertrunken. Andere wurden an Grenzübergängen erschossen. Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder und Babys.
 
In der Stadtmitte vor der Kehler Friedenskirche haben wir am 20. Juni ein Mahnmal entstehen lassen: die Installation „BEIM NAMEN NENNEN“.
 
Bereits im Vorfeld wurden für die Aktion in Kehl die Namen der Verstorbenen und deren Todesumstände von zahlreichen Gemeindemitgliedern, Schulklassen und anderen Engagierten auf Stoff-Streifen geschrieben.
Am Weltflüchtlingstag haben wir diese dann an der Außenfassade der Kirche befestigt und die Namen öffentlich vor der Friedenskirche vorgelesen.
 
Dekan Oliver Wehrstein eröffnete die Veranstaltung. Er wies in seiner Rede auf die kontroverse Diskussion in der europäischen Flüchtlingspolitik hin und auf das Schiffsunglück vor kurzem in Griechenland. 
Dekan Oliver Wehrstein begrüßte zahlreiche Zuhörer
 
Er hob hervor „was es aber auf keinen Fall bewirken darf ist: Regungslosigkeit. Erstarren. Gleichgültigkeit. Ausblenden.“
 
Auch Oberbürgermeister Wolfram Britz richtete seine Worte an die Kehler.
Er zitierte Zahlen aus der Statistik. Demnach leben in Kehl zurzeit etwa 550 Menschen aus der Ukraine und etwa 1400 Geflüchtete aus anderen Staaten, die bei uns Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen.
In Relation zu den 38 000 Einwohnern Kehls sind das 5,3 Prozent.
„Eine Zumutung? Sicher nicht“ - betonte OB Britz. Er sei froh Oberbürgermeister einer Stadt zu sein „in der eine Veranstaltung wie diese möglich und ein Herzensanliegen zahlreicher Menschen ist."
Danke von Herzen an alle freiwilligen Helferinnen und Helfer die diese Veranstaltung „Beim Namen nennen - 51.000 Opfer der Festung Europa" möglich gemacht haben.
 
Viele Menschen beschrifteten Stoffstreifen
 
Danke an alle Lesenden, Schreibenden und Organisatorinnen, die die Aktion mitgetragen haben.
 
Unser Gedenktag hatte dieses Jahr eine besonders traurige Aktualität: Nur wenige Tage davor ertranken an der griechischen Küste erneut 500 Menschen.
 
Durch den neuen Asylkompromiss ist es leider auch nicht zu erwarten, dass diese traurigen Ereignisse sich nicht wiederholen werden. Der Asylkompromiss der EU-Innenministerinnen und Innenminister hebelt nach Einschätzung von Diakonie Deutschland, der EKD und der Badischen Landeskirche faire Asylverfahren an den EU-Außengrenzen aus.
 
Kirchen und zivilgesellschaftliche Organisationen fordern deswegen von der Regierung ein Umdenken und vom Europäischen Parlament ein Nachbessern der Vereinbarung, um die Opferzahlen an europäischen Grenzen zu reduzieren.
 
Ein Beitrag von Gabriella Balassa
Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration
(+49) 0177 – 4697247
 

Die Evangelische Kirchengemeinde Gengenbach bietet viele Begegnungsmöglichkeiten für Flüchtlinge.
Im Verbund mit weiteren Akteuren der Stadt hilft die Gemeinde den Geflüchteten. 
 
 
Yara und Salah aus Syrien haben so eine neue Heimat gefunden. Und die Anwältin Zhila aus dem Iran ließ sich von Pfarrerin Deborah Martiny taufen.
 
Einen Tag lang war ein Team des evangelischen Rundfunkdienstes Baden in Gengenbach unterwegs, um sich über die Situation der Geflüchteten in der Stadt zu informieren.
 
Am Abend trafen sich Geflüchtete sowie haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit Landesbischöfin Heike Springhart in den Jugendräumen der evangelischen Stadtkirchengemeinde. Probleme und Erfolge der Geflüchteten und der Helfenden waren Themen des Gesprächs.
 

Tagung am 25. und 26. November 2022
 
Der Klimawandel verändert die Welt. Klimawandel und Wetterextreme sind wichtige Triebkräfte für Migration und Flucht.
Menschen, die aufgrund von Klimawandelfolgen gezwungen sind, wegzuziehen, werden in der Genfer Flüchtlingskonvention nicht berücksichtigt.
 
Für eine Erweiterung der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) oder eine neue Konvention für Klimaflüchtlinge fehlt es am politischen Willen.
Welche Gebiete sind besonders betroffen und welche Anpassungsstrategien gibt es?
Wie gehen wir aus Sicht des Flüchtlingsschutzes mit dieser Herausforderung um?
 
 
 
 

 
 

Medienberichte aus Kehl
 
 
Gedenken am Weltflüchtlingstag
Gefährliche Flucht einer jungen Syrerin endet im Ortenaukreis
SWR Aktuell - Baden-Württemberg Südbaden, 20.6.2022, 17:02 Uhr, Christine Veenstra
 
Am Weltflüchtlingstag wird der Menschen gedacht, die an den EU-Außengrenzen sterben - etwa im Mittelmeer. Eine junge Frau aus Syrien hat das miterlebt. Heute wohnt sie mit ihrer Familie in Nordrach im Ortenaukreis.
Ola Koulagha kommt aus Latakia, einer Stadt an der syrischen Mittelmeerküste. Früher, so sagt sie, sei sie eine gute Schwimmerin gewesen und habe das Meer immer geliebt. Wenn sie heute an das Meer denke, dann sei das anders:
"Ich sehe immer die Kinder, die weinen. Die Kinder waren mit uns auf dem Schiff. Aber leider sind sie jetzt tot. Ich sehe Kinder, die mit mir sprechen und sagen: Warum sind wir tot und du lebst noch? Warum?"
 
Ein Kampf ums Überleben
Ola Koulagha ist im Sommer 2015 vor der libyschen Küste an Bord eines Schiffes gegangen. In ihrer Heimat Syrien ist Krieg. Schlepper sollen sie und ihren Mann mit hunderten anderen Menschen nach Italien bringen. Doch schon nach wenigen Stunden gerät das Boot in Seenot und unzählige Flüchtende stürzen in die Fluten. Es gibt nur wenige Rettungswesten, kaum jemand kann schwimmen. Ein Kampf ums Überleben beginnt. Hände greifen nach Ola Koulagha, ziehen sie unter Wasser.
"Ich konnte gar nicht mehr atmen. Wenn ich noch kurz unter Wasser geblieben wäre, dann wäre ich auch gestorben. Ich habe in einen Arm gebissen und er hat mich frei gelassen. Dann bin ich nach oben, habe viel Luft geatmet und dann habe ich gesucht nach meinem Mann", berichtet sie.
 
Fluchtgeschichten werden selten berichtet
Die dramatischen Stunden, bis Ola Koulagha und ihr Mann Mohammed endlich von Rettern entdeckt werden, hat die junge Syrerin zusammen mit einer Studentin in einem Buch festgehalten.
Ola möchte ihre Geschichte bekannt machen - auch um andere zu warnen. Viele andere Geflüchtete würden nur sehr zögerlich über ihre Fluchtgeschichten sprechen. Das sagt Gabriella Balassa, Beauftragte für Flucht und Migration im Kirchenbezirk Ortenau der evangelischen Landeskirche.
 
Trauma sitzt bei vielen tief
"Ich kenne einen jungen Mann aus Gambia, der hat seinen Vater verloren. Er hat mir das erzählt. Er brauchte danach zwei Jahre Therapie. Er konnte nicht mehr in Sätzen in seiner Muttersprache sprechen." Es sei eben ein sehr traumatisches Erlebnis auf der Flucht jemanden zu verlieren.
48.000 Menschen, so beziffert Balassa die Zahl der Toten mit Verweis auf eine niederländische Organisation, die die Fälle dokumentiert hat.
 
Die Listen der Toten sind lang
Erstmals ist am Weltflüchtlingstag in diesem Jahr in Kehl mit der Aktion "Beim Namen nennen" der Toten gedacht worden. Die Initiative komme ursprünglich aus der Schweiz, so Gabriella Balasasa. Dabei werden jeweils die Namen tausender Verstorbener verlesen und auf kleine Namensschilder geschrieben.
 
 
"Wir protestieren damit auch gegen die Politik der europäischen Union. Einerseits haben wir die Menschenrechtskonvention, die Geflüchteten Menschenrechte garantiert. Andererseits finden an den EU-Außengrenzen Push-backs statt. Das kann so nicht weitergehen. Wir brauchen wirklich einen Paradigmenwechsel in der Politik."
 
"Brauchen für alle gleiche Rechte"
Sogenannte Push-backs sind staatliche Maßnahmen, bei denen Geflüchtete nach einem Grenzübertritt zurückgeschoben werden. Immer wieder gibt es entsprechende Berichte von den EU-Außengrenzen.
Auch hier bei uns fordert Balassa einen anderen Umgang mit geflüchteten Menschen aus dem globalen Süden - wie es jetzt bei ukrainischen Kriegsflüchtlingen der Fall ist.
"Die Geflüchteten aus der Ukraine dürfen gleich arbeiten, sie dürfen gleich Sprachkurse benutzen. Das sind die richtigen Weichen. Aber das bräuchten wir für alle. Es kann einfach nicht sein, dass wir Geflüchtete erster Klasse, zweiter Klasse oder dritter Klasse haben."
 
 
 
Dekan Oliver Wehrstein sprach zu den Teilnehmenden vor der Kehler Friedenskirche
 
 

Ehrenamtlichengruppe freut sich auf Wohnungsangebote für Geflüchtete. v.l. Leonard Küßner, Johanna Mugabi, Christiane Roth, Frank Vollmer, Claudia Roloff
Der Ökumenische Arbeitskreis Asyl Offenburg e.V. beteiligt sich mit fünf Ehrenamtlichen am staatlich-gesellschaftlichen Aufnahmeprogramm „Neustart im Team“ (NesT)
 
„Die allermeist guten Erfahrungen, die wir bei der Aufnahme von ukrainischen Geflüchteten machen, wollen wir zum Anlass nehmen, auch Menschen aus anderen Ländern hier eine Chance zum Leben in Frieden anzubieten“, sagt Claudia Roloff, Pfarrerin in Offenburg und Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau.
Gleichzeitig bemühe sich der Ökumenische Arbeitskreis Asyl, auch über die Nöte der Geflüchteten aus anderen Ländern zu informieren und setze sich für das Recht auf Asyl unabhängig von der Herkunft ein.
 
Jetzt hofft die Ehrenamtlichen-Gruppe mit Hilfe der Bevölkerung eine Wohnung zu finden für eine - bislang noch unbekannte - besonders schutzbedürftige Familie aus einem Flüchtlingsheim in Nahost oder Ostafrika. Denn dieser Wohnraum ist Voraussetzung für die Übersiedlung. Die Wohnkosten werden für zwei Jahre von der Gruppe getragen und müssen im Voraus bereitgestellt werden. 
 
Die Wohnung könnte ab sofort angemietet werden, erklärt Claudia Roloff das Verfahren. Die Familie dürfte daraufhin einreisen, würde nach zwei Wochen im Übergangslager abgeholt und könnte einziehen. Ein Vorteil des NesT-Programms ist, dass die Geflüchteten schon mit einer Anerkennung als Asylberechtigte einreisen können, dass sie hier also nicht mehr das oft zermürbende Asylbewerberverfahren absolvieren müssen.
 
Die Ehrenamtlichen begleiten den Integrationsprozess mindestens ein Jahr lang, helfen bei Arztbesuchen, Behördengängen, Schulangelegenheiten, vermitteln Sprachkurse und andere Kontakte. Dabei liegt der Fokus auf der Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Familie nach und nach selbständig in Deutschland leben kann.
 
Deutschland nimmt seit 2013 regelmäßig besonders schutzbedürftige Flüchtlinge im Wege des Resettlement auf. Derzeit aus Ägypten, Jordanien, Kenia, dem Libanon und Niger.
Resettlement ist ein internationales Instrument zur Lösung langanhaltender Fluchtsituationen.
Es soll Geflüchteten Schutz bieten, wenn ihr Leben, ihre Freiheit, Sicherheit, Gesundheit und andere fundamentale Rechte in den Staaten, in die sie bereits geflohen sind, weiterhin gefährdet sind. 
 
Die Personen werden durch den UNHCR(Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge)  nach festgelegten und international anerkannten Verfahren ausgewählt und Staaten mit Resettlement-Programmen, so auch Deutschland, zur Aufnahme vorgeschlagen. Die Entscheidung über die Aufnahme trifft der aufnehmende Staat. In Deutschland ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verantwortlich.
 
Info:
Gesucht wird  Wohnraum (etwa 90 bis 105 Quadratmeter) in Offenburg (inklusive Ortsteilen) für eine Familie mit vier bis fünf Personen. Die geschätzten Kosten von insgesamt 20 000 Euro haben die Initiatoren zusammengetragen mit Unterstützung der Sankt Andreas-Stiftung, des Evangelischen Kirchenbezirks, des Ökumenischen Arbeitskreises Offenburg und privater Spender. 
 
 
Ein Beitrag von Barbara Puppe
 
 

Viele Menschen in der Ortenau sind erschrocken von den Nachrichten und Bildern, die sie jeden Tag vom Krieg in der Ukraine erreichen. Zugleich fragen sie sich, wie sie helfen können.
 
„Täglich erreichen mich im Jugendwerk Anfragen von Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, wie sie helfen können; die Hilfsbereitschaft ist aktuell sehr groß“, berichtet Anna Lohf, Jugendreferentin in der Region Lahr und hat dann eine klare Antwort: „Dabei verweise ich an die uns verbunden Hilfswerke Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas International“.Beide Hilfswerke sind DZI geprüft und mit Partnerorganisationen in der Ukraine und den Nachbarländern schon länger aktiv. Dadurch kennen sie die Lage vor Ort und können durch weitere Spenden gezielte und schnell Soforthilfe leisten.Weshalb Geldspenden sinnvoller als Sachspenden sind, erläutert Annedore Braun, Leiterin der Dienststelle des Diakonischen Werkes in Lahr: „Wir empfehlen Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas International mit Geldspenden zu unterstützen: Beide Organisationen nehmen keine Sachspenden an, weil die Logistik Arbeitskraft bindet, die anders effizienter eingesetzt werden kann. Hilfsgüter werden deshalb in entsprechenden Mengen und möglichst in Nachbarländern der Ukraine besorgt und gezielt weitergegeben.“ Der katholische Dekan Johannes Mette weist darauf hin, wie wichtig es für die Menschen in der Ukraine ist, dass sie nicht vergessen werden, sondern dass sie von uns getragen sind: „Jede Hilfe, die wir anbieten, ob Geldspende, ob das Zur-Verfügung-Stellen von Wohnraum für Menschen, die aus der Ukraine zu uns kommen, oder das Gebet sind Bausteine unserer Solidarität. All das kommt an bei den Menschen und hilft uns auch selbst ein wenig, weil wir so spüren, nicht ohnmächtig zuschauen zu müssen.“
Anna Lohf wirbt beispielsweise auch auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken für Spenden an die beiden Hilfswerke und freut sich über die positive Resonanz. Aber sie versteht auch das Bedürfnis, konkret zu helfen.
Viele würden nicht ohnmächtig zusehen wollen, so Lohf, und selbst anpacken: „Das ist verständlich, und deshalb planen wir auch gerade in der Jugendarbeit Aktionen, bei denen Geldspenden für unsere Partnerorganisationen gesammelt werden.“ Rainer Janus, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Friesenheim und Dekanstellvertreter weist auf die überwältigende Welle der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine hin, die diese auch dringend benötigen würden.Er sieht auch in den konfessionsübergreifenden Friedensgebeten ein wichtiges Zeichen gelebter Solidarität.Pfarrer Janus fasst die aktuelle Situation zusammen: „Noch ist unklar, wie sich die Situation weiter entwickelt und wo welche Hilfe am dringlichsten ist; wir werden Netzwerke brauchen, die Informationen weitergeben und Hilfsinitiativen koordinieren.“Gezielte Geldspenden an die Diakonie-Katastrophenhilfe oder Caritas international dürften im Augenblick hilfreicher sein als Sachspenden bei unklarer Bedarfslage, so Janus weiter.
 
Diakonie Katastrophenhilfe
IBAN: DE68520604100000502502
BIC: GENODEF1EK1
Spendenstichwort: Ukraine Krise
 
Caritas international
IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02
BIC: BFSWDE33KRL
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
Stichwort: Nothilfe Ukraine-Krieg
Ein Beitrag von Karin Kindle
 
 
Rechtliche Fragen:
 
 
Zur aufenthaltsrechtlichen Situation ukrainischer Staatsangehöriger gibt es auch Informationen des Landratsamts Ortenaukreis
 
 
 

Gottesdienst in der Stadtkirche Offenburg am 29.05.2022
 
 

Der Bezirkskirchenrat des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau unterstützt den Appell Ortenauer Flüchtlingsinitiativen an die politischen Vertreter unseres Landes „dem unmenschlichen Geschehen an der Grenze zwischen Belarus und Polen ein Ende zu setzen.“
 
Aufruf an die Politik vom 29.11.2021„Wir, die Vertreter der Ortenauer Flüchtlingshelferkreise, empfinden das aktuelle Geschehen und Vorgehen an der polnischen Grenze zu Belarus als zutiefst unmenschlich. Dass der belarussische Staat tausende Flüchtlinge einfliegen und an die polnische Grenze bringen lässt, bedeutet eine klare Instrumentalisierung von schutzlosen Menschen zu politischen Zwecken. Dies ist auf das Schärfste zu verurteilen.
Gleichzeitig wird Polen durch Deutschland und die EU in seinen erschreckenden Grenzsicherungsmaßnahmen unterstützt. Somit stehen auch in unserem Namen den frierenden Familien, Frauen, Kindern und Männern hinter einem meterhohen Stacheldraht tausende polnische Soldaten gegenüber. Wie es heißt, um die Grenzen und unsere europäischen Werte zu verteidigen. Diese Werte verlieren wir jeden Tag an dieser Grenze durch die Handlungen europäischer Beamter und Institutionen.Die an der Grenze gestrandeten Menschen frieren, hungern und können nicht vor und zurück.Die politisch Verantwortlichen unseres Landes fordern wir auf, sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen,
  • dass die Verletzung elementarer Menschenrechte durch ein EU-Mitglied an der EU-Außengrenze zu Belarus aufhört: Die Genfer Flüchtlingskonvention ist ebenso zu beachten wie die UN-Kinderrechts- und UN-Menschenrechtskonvention
  • dass an Leib und Leben bedrohte Kinder und Erwachsene Schutz finden vor Kälte, Hunger und medizinisch versorgt werden
  • dass Geflüchtete den Zugang zu einem fairen Verfahren bekommen
Setzen Sie als politische Vertreter unseres Landes diesem unmenschlichen Geschehen an der Grenze ein Ende! Helfen Sie im Namen der Menschlichkeit.
Initiative Flüchtlinge Kehl, Eric Jais und Rolf Berger,
Flüchtlingshilfe Rebland (Offenburg), Heribert Schramm, Koordinator Achern Miteinander e. V.,
M. Huber, 1. Vorsitzende, Willkommensinitiative Neustart e.V. Ettenheim, Beate Kostanzer und Hans-Georg Dietrich, Freundeskreis Flüchtlinge Lahr, Heimfried Furrer, Ökumenischer Arbeitskreises Asyl Offenburg, Rita Makarinus und Pfarrerin Claudia Roloff, Netzwerks Solidarität Friesenheim e.V., Eberhard Braun, Familien- und Seniorenbüro / Flüchtlingskoordination für die Stadt Gengenbach, Christine Weygoldt-Barth Leitung und Ines Wirthner, Freundeskreis Asyl, Gengenbach Helferkreises Willstätt/ Kulturverein Willstätt, Hans-Wolfgang Brassel, Forum Asyl Ortenberg, Victor Witschel, Helferkreis Rheinau, Helga Caroli und Andrea Hauser
 
 

Wolfgang Schäuble ist Schirmherr der Ausstellung in Offenburg
 
Die Dokumentationsausstellung „Grenzenlose Menschlichkeit - Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Offenburg eröffnet.
Schirmherr ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU).
 
Die Ausstellung thematisiert die Flucht tausender von Menschen über das Mittelmeer, der gefährlichsten und tödlichsten Seegrenze der Welt und die Herausforderungen der Seenotrettung durch United4Rescue.
 
Seit 2014 sind nach Angaben der Veranstalter mindestens 15 900 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Die Ausstellung zeigt auf 16 Tafeln Gesichter von Geflüchteten und deren Rettern sowie pointierte Sätze zur Seenotrettung.
Konzipiert wurde die Ausstellung von der Stiftung Deutsches-Albert-Schweitzer-Zentrum, Frankfurt a. M. gemeinsam mit dem Bündnis United4Rescue, einem 2019 gegründetes Bündnis zur Rettung von Menschen im Mittelmeer.
Es wird von der Evangelischen Kirche Deutschland und vielen zivilen Hilfsorganisationen unterstützt. 
 
Auch der Evangelische Kirchenbezirk Ortenau ist Mitglied bei der Seenotrettungsorganisation United4Rescue. Er unterstützt die Kernforderungen "Pflicht zur Seenotrettung" - "Keine Kriminalisierung der Seenotretter" - "Faire Asylverfahren ermöglichen" - "Sichere Häfen ermöglichen und Aufnahmemöglichkeiten in den Kommunen schaffen, über die Kommunen selbst befinden können".
 
In Offenburg werden die Ausstellung und das Begleitprogramm von der Evangelischen Erwachsenenbildung und dem Evangelischen Kirchenbezirk in der Ortenau organisiert und durchgeführt.
 
Ein Foto zeigt einen Vater mit seinem Kind auf einem Rettungsboot. Dieses Baby ist in Sicherheit, ein anderes jedoch habe nur noch tot aus dem Wasser gefischt werden können, berichtete der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.
In seiner Eröffnungsrede betonte er, es gehe darum, den Menschen, die aus unerträglichen Lebenswelten die Flucht ergreifen, ins Gesicht zu sehen. Aktionen wie „Grenzenlose Menschlichkeit“ seien auch eine Herausforderung für die Politik.
Er warf den Europäischen Staaten einen Verrat an den eigenen ethischen Traditionen vor. Es sei ein moralischer Skandal, dass Rettungsschiffe blockiert würden, während es die Staaten gleichzeitig ablehnten selbst die Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufzunehmen.
Bedford-Strohm warb dafür, Ursachen für Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ernst zu nehmen.  „Darüber müssen wir ins Gespräch kommen, anstatt Menschen vorschnell einen rechtsradikalen Hut aufzusetzen“, betonte der Theologe.
 
 
Schirmherr Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble war persönlich zur Eröffnung gekommen. Er erklärte in seinem Grußwort, Europa müsse sich aus ureigenem Interesse mehr bei der Bekämpfung von Fluchtursachen engagieren. Es gehe um unsere Glaubwürdigkeit als Europäische Gemeinschaft und um die Stabilität unserer Gesellschaft. Es gebe allerdings keine einfachen Lösungen, auch keine optimalen. Schäuble forderte ein gemeinsames europäisches Asylrecht mit einheitlichen Standards und praktikablen Anerkennungsverfahren. Christen seien zur Rettung von Menschen aus Seenot verpflichtet. Der Transport der Geretteten in europäische Häfen spiele aber zugleich einem „zynischen Schlepperwesen in die Hände“. Der politische Auftrag in diesem Dilemma sei es, menschenwürdig und wirksam die Anreize zu unterbinden, den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer zu suchen, sagte Schäuble.
 
Solange die Fluchtursachen nicht wirksam bekämpft werden und staatliche Seenotrettung fehlt, sei es das Gebot der Stunde und die moralische Pflicht, Menschen in ihrer Not nicht allein zu lassen, so Gottfried Schüz, Vorsitzender der Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum. Das Anliegen des Zentrums ist es, das humanitäre Erbe Albert-Schweitzers zu vertreten und in die Tat umzusetzen, die „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ als Richtschnur und Anleitung für Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Formuliert hat sie der Mediziner, Theologe, Organist und spätere Urwaldarzt Albert Schweitzer in der Urwaldlandschaft Lambaréné, wie der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden Jochen Cornelius-Bundschuh ausführte. Albert Schweitzer habe grenzenlos menschlich im Denken und Handeln, ungeachtet von Nationalität und Abstammung Menschen aus Not, Armut und Krankheit geholfen und damit die verhängnisvolle Spirale des Leidens durchbrochen. „Wir als Kirche tragen Verantwortung, die Flüchtlingssituation weiter zu verbessern“, so der Landesbischof.
 
Die Feier wurde musikalisch begleitet von Kirchenmusikdirektor Traugott Fünfgeld (Orgel) und Christian Martin Kirsch (Trompete). 
 
Gabriella Balassa, Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau, verlas den eindrücklichen Augenzeugenbericht einer Seenotrettung von Ola Koulagha aus Syrien, die im August 2015 - im vierten Monat schwanger- eine Schiffskatastrophe überlebt hat, bei der mehrere hundert Menschen ertranken. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Offenburg. „Als ich meine Augen öffnete sah ich, wie die Menschen ertranken und sich gegenseitig in die Tiefe zerrten“, schreibt die Autorin. „Mein Körper war schlapp und entkräftet von dem Ringen im Wasser, in diesem Augenblick erinnerte ich mich, dass an der Rettungsweste eine Notfallpfeife angebracht war. Ich sammelte meine ganze Kraft und pustete in die Pfeife. Das Motorboot näherte sich und die Rettungskräfte reichten uns ein langes Seil - wir waren gerettet.“
Info:
Die Forderung, „man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ wurde auf dem evangelischen Kirchentag 2019 erhoben. Tausende Kirchentagsbesucher haben damals die Resolution unterschrieben „Schickt ein Schiff“.
Heute sind zwei Schiffe direkt für United4Rescue im Mittelmeer unterwegs, die Sea-watch 4 und die Sea-Eye 4.
 
Begleitprogramm zur Ausstellung:
 
Mo, 12.7., 19 Uhr, SaveOurSouls - gehen unsere Werte unter? Informationen zu Seenotrettung und United4Rescue. Referent: Michael Schwickart
Di, 20.7., 19 Uhr, NesT, Neustart im Team – Das Resettlementprogramm des Bundesministeriums für Inneres als Alternative zur Flucht über das Meer. Ein Beispiel für einen legalen Weg aus dem Flüchtlingslager nach Deutschland. Referentin: Katharina Mayr, Caritas international
Mi, 21.7., 19 Uhr, Waffenexporte als Fluchtursachen. Referent Jürgen Grässlin,
Führungen für Schulklassen und (kirchliche) Gruppen auf Nachfrage
„Schau mich an“ - Ausstellung mit Fotos von Ingrid Vielsack zu Fluchtgeschichten von gestern und vorgestern in Kehl, Friedenskirche ab 29.6.
31.7. 17 Uhr, Gedenkgottesdienst für Ertrunkene, Friedenskirche Kehl, anschließend Menschenkette auf der Passerelle Kehl/Strasbourg
Bericht der "Kehler Zeitung":
25.9. Abschlusskonzert in Lahr mit einer Aktion des Diakonischen Werkes
Die Ausstellung ist täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr
Weitere Informationen: www.eeb-ortenau.de
Ein Beitrag von Barbara Puppe
 
 

Die Vertreter und Vertreterinnen der ehrenamtlichen Helferkreise Ortenau haben einen Aufruf zur Installation von WLAN in den Gemeinschaftsunterkünften und größeren Anschlussunterbringungen von geflüchteten Menschen an den Landrat und alle Fraktionen gerichtet.
In dem Aufruf heißt es: „Wir betrachten mit Sorge, dass geflüchtete Menschen weder in den Unterkünften des Landkreises noch in denen der Gemeinden im Ortenaukreis einen Zugang zum Internet haben.“ Ein WLAN-Zugang sei besonders in der Pandemie unabdingbar, um die verwaltungsrechtlichen Mitwirkungspflichten im Asyl- und gerichtlichen Verfahren erfüllen zu können. Auch der Kontakt zu ehrenamtlichen Begleitern, Sozialarbeitern, beauftragten Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen bzw. asylrechtlichen Verfahrensberatungen (Diakonisches Werk, Caritas) laufe meist digital per App oder E-Mail. Das Internet ist die Informationsquelle der Gegenwart und muss daher für alle Menschen zugänglich sein, fordern die Helferkreise. Sie weisen darauf hin, dass es auch für die Aufrechterhaltung familiärer und verwandtschaftlicher Kontakte und für Recherchezwecke zur Erfüllung der Mitwirkungspflichten von großer Bedeutung sei. Gerade im Hinblick auf die kurzen gesetzlichen Fristen im Asylverfahren sei der Zugang zum Internet in der Pandemie, die Menschen für Monate von normalen Begegnungen und von dem Aufsuchen von Beratungsstellen fernhält, von besonderer Bedeutung. Wie gut digitaler Schulunterricht in Corona-Zeiten funktioniere, sei auch eine Frage der Technik. „Wenn Kinder Arbeitsblätter online bearbeiten, diese per E-Mail zurückschicken oder sich Lernfilme anschauen und sich dann per Videochat austauschen sollen, brauchen sie dafür einen Internetzugang. Ohne Internet können sie am Online-Unterricht in der Pandemie nicht teilnehmen. Somit wird schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen das Recht auf Bildung verwehrt.“ In einem der reichsten Länder Europas würden dadurch Kinderrechte ignoriert und sozial schwache Familien aus der sonst kostenlosen Bildung praktisch ausgeschlossen. Begonnene Integrationsprozesse und Bemühungen kommen zum Stocken, warnen die Helferkreise, weil Geflüchtete nicht an digitalen Deutschkursen teilnehmen können, wenn sie in einer Unterkunft wohnen. Auf Grund des Status können sie meistens keine Verträge mit Flatrate abschließen und somit ist die Benutzung des Internets oft mit hohen Kosten verbunden. Die ehrenamtlichen Helfer fordern, diesem drängenden Problem Abhilfe zu verschaffen. „Wir gehen davon aus, dass Sie damit nicht nur die Not der Flüchtlinge in der Pandemie lindern können, sondern dass dies auch entscheidend für deren weitere Integration ist und damit im Interesse der Gesamtgesellschaft liegt.“ Letztlich würde es auch den Ehrenamtlichen den Kontakt zu den Geflüchteten und die konkrete Hilfestellung erleichtern, was wiederum zur Entlastung auf Ebene der Kreisverwaltung führen würde.
 
Der Appell ist unterzeichnet von zahlreichen Helferkreisen und Netzwerken der Flüchtlingshilfe in der Ortenau sowie von Gabriella Balassa, Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau
 
Ein Beitrag von Barbara Puppe