Gengenbacher Hermann-Maas-Medaille geht an deutsch-französisches Theaterensemble
Inszenierung von „Das Tagebuch der Anne Frank“ trägt zur Versöhnung der Religionen bei
Karlsruhe/Gengenbach (20.01.2026). Am Dienstag, 27. Januar, 19 Uhr wird in der evangelischen Kirche Gengenbach die Hermann-Maas-Medaille an das deutsch-französische „Theater Eurodistrict BAden Alsace“ verliehen. Landesbischöfin Heike Springhart wird die Laudatio auf die Preisträger halten. Grußworte werden unter anderem von MdL Volker Schebesta, politischer Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, sowie vom Stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Gengenbach, Achim Fuchs, gehalten.

Für die Inszenierung "Das Tagebuch der Anne Frank" erhielt das Theater BAden ALsace die Hermann-Maas-Medaille.
Quelle: D:Light / Christian Koch, D:Light / Christian Koch - eingebettet von www.ekiba.de
„Das Thema der Versöhnung der Religionen spielt im Programm des Theaters immer wieder eine große Rolle“, so die Jury in ihrer Begründung für die Wahl des diesjährigen Preisträgers. „Mit der Inszenierung ‚Das Tagebuch der Anne Frank‘ hat sich das Theater auch des Themas Versöhnung ‚Christen und Juden‘ angenommen. Da es Aufführungen speziell für junge Menschen und an Schulen unter Begleitung einer Theaterpädagogin gibt, erhoffen wir uns von der Würdigung durch die Hermann-Maas-Medaille, dass diese didaktische Vermittlungsform der historischen Ereignisse in der aktuellen gesellschaftlichen Situation Strahlkraft erlangt.“ Zudem freue man sich, mit dem „Theater Eurodistrict BAden Alsace“ diesmal eine in der Region verankerte Institution zu würdigen, so die Jury weiter.
Das bilinguale Theater wurde vor 20 Jahren gegründet. Die Grundüberlegung war, mit dem grenzübergreifenden Theater Brücken zu bauen, anfangs vor allem zwischen Deutschland und Frankreich, schließlich auch zwischen den Kulturen, Nationen und Religionen. In seinen rund 150 Vorstellungen pro Spielzeit ist das Ensemble einerseits in seinem eigenen Haus im Europäischen Forum in Neuried am Rhein zu erleben, andererseits in Baden-Württemberg, Frankreich und Österreich unterwegs. Neben anderen inhaltlichen Schwerpunkten fördert das Theater auch die Erinnerungskultur, so beispielsweise in seiner Inszenierung „Das Tagebuch der Anne Frank“. „Unser Blick richtet sich dabei auf die in Deutschland lebenden Juden, und das politische Statement ist, dass so etwas wie damals nie wieder passieren darf“, erklärt Theaterintendant Edzard Schoppmann. In die Inszenierung, die sich schwerpunktmäßig an junge Zuschauer richtet, ist auch jiddische Live-Musik integriert. „Durch die Musik hält das Stück die Waage zwischen Traurigkeit und Lebenswillen. Auch Anne Frank wollte leben, das bringen wir mit der Musik und mit Tänzen rüber. Wir wollen auch Hoffnung geben“, erläutert Schoppmann.
Zwischen 20.000 und 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zählt das Theater pro Spielzeit. Rund die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche, oft in Zusammenarbeit mit Schulen. Mit Unterstützung von Theaterpädagoginnen können Schulklassen, die das Stück ansehen, sich thematisch darauf vorbereiten oder in einer Nachbesprechung über das Thema diskutieren. Dazu gehen die Mitarbeitenden von BAden ALsace unter anderem auch in die Schulen.
Über die Auszeichnung mit der Hermann-Maas-Medaille und dem damit verbundenen Preisgeld von 2.500 Euro freut sich der Intendant sehr. „Ich sehe darin eine Ermutigung, diesen Weg weiterzugehen“, stellt er fest.
Mit der Verleihung einer geprägten Medaille in Erinnerung an Prälat Hermann Maas würdigt die Evangelische Kirchengemeinde Gengenbach seit 1994 das Wirken von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die sich im Sinne von Hermann Maas in einem ökumenischen Geist um den Dienst am Nächsten und um Verständigung und Versöhnung zwischen Religionen und Völkern – insbesondere zwischen Juden und Christen – verdient gemacht haben. Der Preis wird in der Regel alle vier Jahre in Kooperation mit der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Hermann-Maas-Stiftung in Heidelberg verliehen.
Hermann Maas wurde 1877 als Sohn des damaligen evangelischen Pfarrers in Gengenbach geboren. Als einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung hat sich Maas seit 1913 für den Frieden zwischen Religionen und Völkern eingesetzt. In seiner Zeit als Pfarrer an der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg wurde er zwischen 1933 und 1945 unter großem persönlichen Einsatz zum Helfer und Retter für zahllose Juden. Dafür wurde er 1950 als erster Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel eingeladen. Bis zu seinem Tod 1970 engagierte er sich in seiner theologischen Arbeit für die Versöhnung zwischen Juden und Christen.
Weitere Informationen zum Preisträger: https://theater-baden-alsace.com/



