„Ihr tragt ein Licht in euch!“

- 13.05.2026 - 

Kurz-Gottesdienst für ME/CFS in der Ev. Stadtkirche Offenburg

Rund 20 Minuten der Ruhe, des Gebets und der Verbundenheit: In der Evangelischen Stadtkirche Offenburg fand am Abend des 12. Mai 2026 ein Kurz-Gottesdienst für Menschen mit ME/CFS, ihre Angehörigen und Unterstützende statt. Gestaltet von Dekan Oliver Wehrstein und Bezirkskantor Traugott Fünfgeld in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen, rückte der Gottesdienst deren Lebensrealität einfühlsam in den Mittelpunkt.

Anlässlich der internationalen Awareness-Aktion #LightUpTheNight4ME war der Kirchenraum der Stadtkirche in blaues Licht getaucht. Blaue Strahler und LED‑Teelichter prägten das Bild – die Farbe Blau steht weltweit für Aufmerksamkeit und Solidarität mit den Betroffenen von ME/CFS. Zugleich fiel warmes Sonnenlicht durch die Fenster und verband sich mit dem kühlen Blau zu einer eindrücklichen Atmosphäre zwischen Hoffnung und Schwere.
 
#LightUpTheNight4ME macht seit mehr als 30 Jahren sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: das Leben mit ME/CFS, einer schweren neuroimmunologischen Erkrankung, die mit massiven Einschränkungen einhergeht. In Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen über 620.000 Menschen betroffen, darunter rund 80.000 Kinder und Jugendliche. Jährlich werden am 12. Mai weltweit Gebäude, Kirchen und Sehenswürdigkeiten blau illuminiert. Auch in Offenburg erhellten in der Nacht blaue Lichter das Kirchenportal und setzten ein weithin sichtbares Zeichen der Solidarität.
 
Mehr als 70 Besucher:innen in der Kirche sowie etwa 200 Menschen, die den Gottesdienst live über YouTube verfolgten, setzten am Abend des 12. Mai ein starkes Zeichen der Verbundenheit mit Menschen, die an ME/CFS erkrankt sind. Bereits am Eingang erhielten alle gemeinsam mit dem Gesangbuch ein blaues Teelicht, das im Gottesdienst entzündet wurde.
 
Dekan Oliver Wehrstein begrüßte die Anwesenden und die digital Zugeschalteten und sprach Betroffenen und Angehörigen Mut zu. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass Krankheit und Lebenssituation künftig stärker in den Fokus von Politik und Forschung rücken, um Perspektiven auf Linderung und Heilung zu eröffnen.
 
Ein zentraler Moment war die gemeinsame Gebetsstille: Zahlreiche blaue Lichter wurden entzündet – ein stilles, aber kraftvolles Zeichen der Gemeinschaft. Auch Menschen an anderen Orten waren eingeladen, zeitgleich Kerzen und Lichter anzuzünden und sich im Gebet zu verbinden. Für viele wurde spürbar: Auch wenn Erkrankte oft nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, sind sie nicht vergessen.
 
Die Liturgie des Gottesdienstes wurde in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen und Angehörigen entwickelt. Ihre Erfahrungen und Perspektiven verliehen der Feier besondere Tiefe und Authentizität. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Traugott Fünfgeld am Klavier. Seine einfühlsamen, zarten Klänge erfüllten den Raum und wurden von vielen als tröstend und bewegend zugleich empfunden.
 
In seiner Predigt griff Dekan Wehrstein das Bild des Lichts auf:
 „Für euch leuchtet auch ein Licht – ein Licht in euch, ein Licht, das nicht ausgeht. Das ist Gottes Licht. Gott will für euch leuchten, wenn ihr Angst habt, euch allein fühlt und wenn ihr einsam seid.“
 
Dieses Bild berührte viele Anwesende. Angehörige berichteten, dass ihre erkrankten Kinder trotz aller Einschränkungen oft „von innen heraus strahlen“ – und dass gerade kleine Momente des Lichts und der Erleichterung große Bedeutung gewinnen. Deutlich wurde zugleich die Schwere der Erkrankung: Während Kindern und Jugendlichen Zukunftsperspektiven genommen werden, sehen sich Erwachsene in ihrem Leben ausgebremst. Umso eindrücklicher zeigte sich im Gottesdienst die Kraft und der Wille der Betroffenen und ihrer Familien, ihren Alltag zu bewältigen.
 
Die Kollekte des Abends kam dem Verein NichtGenesenKids e. V. zugute. Der bundesweite Verein setzt sich für Familien mit Kindern und Jugendlichen ein, die von Long Covid, Post Covid, Post Vac, ME/CFS sowie anderen chronischen oder seltenen Erkrankungen betroffen sind.
 
Der Abend machte eindrücklich sichtbar, was ME/CFS bedeutet, und setzte zugleich ein Zeichen: ein Licht, das verbindet – und ein Licht, das bleibt. Am Ende nahmen viele Besucher:innen ihr Licht mit nach Hause – als Zeichen der Hoffnung und mit der Einladung, dieses Licht weiter in die Welt zu tragen.
 
Info: Der Gottesdienst steht auf dem YouTube-Kanal der Stadtkirche Offenburg weiterhin zum Nachschauen bereit.