Ein letztes Läuten – und ein neuer Anfang: In einer Andacht verabschiedet sich die Gemeinde in Dogern von ihren Kirchenglocken. Was sie über Jahre getragen haben, klingt nun an einem neuen Ort weiter. In Eckartsweier werden die Glocken bald wieder erklingen – mit ihrer Geschichte im Gepäck und einer leisen Botschaft von Aufbruch und Verbundenheit.
Es ist ein Moment voller Gegensätze: Abschied und Aufbruch, Stille und neue Zuversicht. Als Ende Mai die Glocken der evangelischen Auferstehungskirche in Dogern ein letztes Mal läuten, geschieht dies bewusst im Rahmen einer Andacht – und macht die Bedeutung dieses Augenblicks hörbar und spürbar.
Pfarrer Bopp‑Hartwig erinnert daran, was Glocken über Jahrzehnte hinweg waren: mehr als Klangkörper. Sie riefen zum Gottesdienst, begleiteten Gebete und verwiesen in besonderen Momenten auf die Gegenwart Gottes.
Glocken mit Botschaft
Noch einmal wird deutlich, wofür die drei Dogerner Glocken stehen. Jede von ihnen trägt eine eigene biblische Botschaft: die Taufglocke mit dem Ruf „Ziehet an den Herrn Jesus Christus“, die Betglocke „Wachet und betet“ und die Christusglocke, die auf Leben, Tod und Auferstehung Christi verweist.
Diese Worte haben über Jahre hinweg im Klang mitgeschwungen – manchmal unbewusst, aber tief im Alltag der Gemeinde verankert. In diesem letzten gemeinsamen Läuten wird spürbar: Es geht nicht nur um ein Verstummen von Klang, sondern um ein Stück gelebten Glaubens.
Ein würdevoller Abschied – und ein neuer Ort
Im Anschluss an die Andacht beginnt der Abbau. Sorgfältig werden die Glocken gesichert und verladen. Doch ihr Weg endet nicht hier.
In Eckartsweier, wo der Kirchturm seit Monaten still ist, werden sie eine neue Heimat finden. Die bisherigen Stahlglocken mussten außer Betrieb genommen werden – zu groß waren die Mängel.
Bis zur Installation werden die Glocken zunächst in der Kirche vor Ort eingelagert. Ortsvorsteher Ralf Schäfer brachte es beim Abholen treffend auf den Punkt: „Die Glocken müssen uns erst verstehen.“
Am 30. August werden sie erstmals im Gottesdienst wieder erklingen.
Wenn Klang weitergegeben wird
Pfarrerin Britta Gerstenlauer aus Eckartsweier hat es im Vorfeld so beschrieben: Glocken sind nicht einfach austauschbar. Sie tragen Erinnerungen – und geben sie weiter. Sie strukturieren Zeit, markieren Übergänge und schaffen Verbindung.
Genau das wird zwischen Dogern und Eckartsweier sichtbar: Was an einem Ort verstummt, beginnt an einem anderen neu zu klingen. Die Botschaften bleiben – nur ihr Wirkungsort verändert sich.
So entsteht mehr als ein technischer Transfer: ein geistlicher Übergang.
Bald wieder ein vertrauter Klang
Noch stehen die Glocken still im Kirchenraum von Eckartsweier, der Turm ist noch ohne Stimme. Doch die Richtung ist klar: Die Stille wird nicht bleiben.
Wenn die Glocken künftig wieder läuten, bringen sie nicht nur ihren warmen Klang mit in die Ortenau. Sie tragen auch ihre Geschichte weiter – die Erinnerungen aus Dogern, die Worte der Andacht, die Begleitung von Menschen und das leise Mitklingen von Heimat.