Neue Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration: Dr. Ursula Blanke-Kießling
- 29.06.2026 -
Die Evangelische Landeskirche in Baden hat 2015 ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung von Asylsuchenden und Flüchtlingen beschlossen, um Schutz, Annahme und Integration zu fördern. Im Rahmen dieser Initiative wurden Stellen für Bezirksbeauftragte für Flucht und Migration eingerichtet, in der Ortenau wurde eine Teilzeitstelle der Evangelischen Erwachsenenbildung angegliedert. „Als Kirchenbezirk sehen wir eine besondere Herausforderung darin denen zu helfen, die besondere Bedürfnisse haben“, so Claudia Roloff, Pfarrerin und Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau. „Deswegen wollen wir die gesellschaftlichen Prozesse begleiten und mithelfen, dass diese Menschen irgendwann nicht mehr Geflüchtete sind, sondern Mitbürger und Mitbürgerinnen.“
Dr. Ursula Blanke-Kießling und Claudia Roloff
Wie ihre Vorgängerin im Amt, Gabriella Balassa, will sich auch die promovierte Juristin und Pädagogin Ursula Blanke-Kießling stark machen für geflüchtete und migrierte Menschen. Sie wird die Ehrenamtlichen beraten und begleiten und Akteure in der Flüchtlingsarbeit aus Verwaltungslandschaft, Asylunterkünften, Schulen, Bildungsformaten und Projekten vernetzen. Als Einwanderungsgesellschaft lebten hier Menschen mit unterschiedlichen migrantischen Erfahrungen, die unsere Gesellschaft bunter und vielfältiger machten, so die neue Beauftragte des Kirchenbezirks.
Sie findet es spannend, auch mit eingesessenen Migrantengruppen, etwa den Russlanddeutschen, zusammenzuarbeiten. Vielfältige Erfahrungen hat sie als Mutter von vier Söhnen, Lehrerin für Zugewanderte, Referentin, Workshopleiterin, Organisatorin von Elternarbeit und Kinderfreizeiten gesammelt. Vor ihrem Hintergrund als Juristin sei ihr alles wichtig, was zur Demokratiebildung beitrage, als Pädagogin liege ihr die Begleitung von Familien am Herzen. Sie will Bewährtes weiterführen und Neues in Gang bringen.
An Herausforderungen fehlt es nicht: Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) tritt im Juni in Kraft. Damit hat die Bundesregierung eine Reihe von Verschärfungen im Asylrecht auf den Weg gebracht, die darauf abzielen, Migration nach Deutschland zu begrenzen. Das GEAS-Anpassungsgesetz verschärft das Asylrecht durch schnelle Grenzverfahren für Schutzsuchende mit geringer Anerkennungschance. Da es schwerwiegende Eingriffe in die Menschenrechte von Schutzsuchenden ermöglicht, stimmten die Oppositionsfraktionen dagegen. Menschenrechtsorganisationen und auch die Kirchen kritisieren es scharf. Auch Blanke-Kießling blickt mit einiger Sorge auf die Umsetzung und die weitere Entwicklung. „Was sich daraus für uns als Kirche und meine konkrete Arbeit ergibt, werden wir erarbeiten müssen“.
Ihre erste große Bewährungsprobe hat die neue Kirchenbezirksbeauftragte bereits gemeistert: Die Planung und Durchführung des Weltflüchtlingstages am 19. Juni in Kehl, zu dem auch die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart und der katholische Erzbischof Stephan Burger erwartet wurden. Dort ist sie vielen Geflüchteten und Ehrenamtlichen begegnet. „Ich unterstütze die Ehrenamtlichen vor Ort, die Menschen, die sich einsetzen, da treffe ich auf gut erprobte und bewährte Strukturen.“