Neue evangelische Kirchengemeinde im Süden trägt künftig den Namen „Katharina Zell“

- 15.09.2026 - 

Die evangelischen Kirchengemeinden Ettenheim, Mahlberg und Kippenheim-Schmieheim schließen sich zum 1. Januar 2027 zur neuen Evangelischen Kirchengemeinde Katharina Zell zusammen. Der neue Verbund steht für mehr Zusammenarbeit, gelebte Gastfreundschaft und eine Kirche, die sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientiert.

ETTENHEIM/MAHLBERG/KIPPENHEIM.
Die evangelischen Kirchengemeinden im sogenannten Südbezirk stellen die Weichen für eine gemeinsame Zukunft. Im Zuge des landeskirchlichen Reformprozesses „ekiba2032“ schließen sich die Evangelischen Kirchengemeinden Ettenheim, Mahlberg sowie Kippenheim-Schmieheim zum 1. Januar 2027 zu einer gemeinsamen Kirchengemeinde zusammen.
 
Die neue Kirchengemeinde soll jedoch weit mehr sein als eine organisatorische Antwort auf knapper werdende finanzielle und personelle Ressourcen. Dass der Zusammenschluss im Südbezirk so zeitnah erfolgen kann, ist einer bereits 2016 getroffenen Vereinbarung zur intensiveren Zusammenarbeit zu verdanken. Seither sind zahlreiche gemeinsame Projekte entstanden. Inzwischen haben sich Kippenheim sowie Schmieheim mit Wallburg auch kirchenrechtlich zu einer Kirchengemeinde zusammengeschlossen. Damit umfasst die künftige Kirchengemeinde drei ehemalige Kirchengemeinden.
 
Bei einem Pressegespräch erläuterten Pfarrerin Severine Plöse, Pfarrer Jörg Herbert sowie die Diakoninnen Medea Frey und Andrea Ziegler die nächsten Schritte und  die Vorstellungen der Leitungsgremien von einer Kirche, die sich stärker an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientiert.
 
Offiziell gefeiert wird die neue Kirchengemeinde am 24. Januar 2027 mit einem Festgottesdienst in der Friedenskirche in Kippenheim, an dem auch Dekan Rainer Becker teilnehmen wird.
 
Der Weg dorthin ist in den vergangenen Monaten in zahlreichen Gesprächen und Workshops vorbereitet worden. Dazu wurden Menschen aus allen Gemeinden eingeladen. Besonders beschäftigte sie dabei die Frage, welches Profil die Kirchengemeinde künftig entwickeln möchte. „Unsere Gemeinde soll vielfältig, voller Zuversicht, warmherzig, gastfreundlich und nahbar sein, quasi eine Oase – einladend für alle“, beschreibt Severine Plöse zusammenfassend die Vorstellungen.
 
Die gewünschten Eigenschaften seien relativ schnell zusammengetragen worden. Schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem gemeinsamen Namen. Fündig wurden die  am Prozess Beteiligten schließlich bei einer Persönlichkeit der Reformationsgeschichte, die weit über den kirchlichen Rahmen hinaus für Zivilcourage und gesellschaftliches Engagement steht: Katharina Zell.
Während eines Pfarrkonvents in Straßburg beschäftigten sich die Hauptamtlichen näher mit der im späten 15. Jahrhundert in Straßburg geborenen Reformatorin. Katharina Zell setzte sich bereits früh mit religiösen Fragen auseinander. Als Ehefrau des Reformators Matthäus Zell war sie nicht lediglich dessen Unterstützerin, sondern entwickelte ein eigenes theologisches Profil und verfasste literarische Schriften. Sie engagierte sich für Arme, Kranke und Menschen in Not und führte gemeinsam mit ihrem Mann ein offenes Haus. „Sie ließ sich nicht so schnell den Mund verbieten“, beschreibt Andrea Ziegler eine Eigenschaft, die auch für die heutige Kirche durchaus programmatisch verstanden werden kann.
Zahlreiche Namensvorschläge wurden an verschiedenen Stellen diskutiert. Am Ende konnten sich die Verantwortlichen mit Katharina Zell und den mit ihr verbundenen Werten identifizieren. Der neue Verbund soll deshalb künftig den Namen Evangelische Kirchengemeinde Katharina Zell tragen.
 
Im August hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport die neue Evangelische Kirchengemeinde Katharina Zell als Körperschaft des öffentlichen Rechts zum 1. Januar 2027 anerkannt.  Der Evangelische Oberkirchenrat bestätigt, dass damit der Vereinigungsprozess seinen "juristischen Abschluss" gefunden hat. Für die Verantwortlichen steht fest: Die strukturelle Neuordnung soll kein Selbstzweck sein. Sie soll vielmehr Freiräume schaffen, um sich intensiver mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Angebote und Formen kirchlichen Lebens die Menschen vor Ort  künftig benötigen. „Wir wollen Schritt für Schritt gehen und intensiv schauen und forschen, was es vor Ort braucht. Wo sind wir stärker, was machen wir gemeinsam?“, erläutert Pfarrer Herbert. Vieles, was im Rahmen der neuen Kirchengemeinde künftig selbstverständlich werden soll, ist bereits Realität. Gemeinsame Konfirmandentage, Bibeltage, Tauffeiern und Themengottesdienste gehören ebenso dazu wie das Südbezirksfest. Auch die Veranstaltungsreihe „Best Ager“, bei der sich Menschen monatlich zu gemeinsamen Aktivitäten treffen, hat sich etabliert. Ein gemeinsamer Gemeindebrief verbindet die Gemeinden bereits heute.
 
Auch strukturell wurden wichtige Voraussetzungen geschaffen. Die Wahl des gemeinsamen Kirchengemeinderats wurde bereits im vergangenen Jahr entsprechend vorbereitet. Damit soll vermieden werden, dass der organisatorische Zusammenschluss erst ab 2027 mühsam aufgebaut werden muss.
 
Bis zum offiziellen Start der Kirchengemeinde stehen noch mehrere Veranstaltungen auf dem Programm, bei denen die aktuellen Gemeinden noch einmal gefeiert werden.
 
Am 11. Oktober findet das Gemeindefest in Mahlberg statt.
Am 8. November folgen in Kippenheim-Schmieheim ein Familiengottesdienst sowie in Ettenheim ein Sing- und Mitbringgottesdienst.
 
Für die Verantwortlichen ist im Ergebnis vor allem eines entscheidend: Die neue Struktur soll auch inhaltlich mit Leben gefüllt werden. Der Blick auf Katharina Zell bietet dafür ein gemeinsames Leitbild. Mitmenschlichkeit, Offenheit, Gastfreundschaft, Zuversicht und der Mut, für die eigenen Überzeugungen einzustehen, sollen nicht nur historische Eigenschaften einer Namensgeberin bleiben. „Wir sind über die Sache verbunden“, fasst das Team die gemeinsame Perspektive zusammen. Die Werte, die sie im Leben Katharina Zells entdeckt haben, sollen künftig auch das Profil der neuen Kirchengemeinde prägen.
 
Der Zusammenschluss ist damit nicht allein eine Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen, sondern der Versuch, aus ihnen eine neue gemeinsame Stärke entstehen zu lassen.
 
Text: Karin Kindle